The Big Instagram-Blues!
Ein Dienstleister namens Instagram stellt seit 2010 ein Applikation frei zur Verfügung mit der Smartphone-Anwender Fotografien mit Effekten (Filtern) verändern können und über die verwendeten Microblogging-Dienste mit der restlichen Welt teilen können. In diesem Jahr erhalten die User die Möglichkeit auf einer personalisierten Homepage beim Anbieter gehostet „ihr” Werk im Kollektiv zur Schau zu stellen. Das tun bis September 2012 immerhin weltweit 100 Million Anwender laut Eigentümer.
Im Dezember 2012 verkündet der Dienstleister, mittlerweile von Facebook aufgekauft , sein künftiges Gschäftsmodell. Es wird künftig mit den Daten der User gehandelt werden (also von den Leuten, die in den letzten Monaten wie blöd sich dort ihre Micro-Homepages aufgebaut haben) und man möchte mit deren Fotos durch (wahrscheinlich Lizenz-)Verkauf Geld verdienen.
Das finden nun alle sehr sehr schlimm.
Ich finde ja eher schlimm, dass sich alle dieser Dienstleistungen mit Wonne kostenlos bedienen, sich aber aber keine oder kaum Gedanken über deren Geschäftsmodelle machen. Sich also im Grunde nicht mal einen Pfennig Geist darum scheren, wovon die Leute, die ihnen solche Dienste anbieten, die Miete, Essen und Lebensstil bezahlen. Das ist schon ganz schön ignorant, wenn mir diese Kritik gestattet ist.
Dann ist man vergleichsweise sauer, dass mit den „eigenen” Fotos Geld verdient werden soll. Das wäre ich, als Fotografin, wohl auch. Weswegen ich meine Fotos, also zumindest jene mit denen ich Geld verdienen möchte, nicht irgendwo online stelle, wenn ich das Gefühl haben muss, ich gebe damit einen Teil meiner Rechte am Urheberrecht ab – oder auch nur die Kontrolle darüber.
Das genau aber tut man natürlich bei Instagram genau immer – denn man bedient sich einer Filtersammlung, die man – im Gegenteil zu einer selbst z. B. in Photoshop generierten Aktion – nicht selber produziert hat, das heißt also daran auch keinerlei Rechte besitzt. Kurz: Instagram-Fotos sind ab dem Filtereinsatz kein Bildwerk an dem nur noch ein Einzelner ein Recht besitzen kann. Schon mal darüber nachgedacht?
Das andere Hühnerauge auf das ich Euch, so Ihr Instagram-Fans seid, leider treten muss: kommt bitte schön wieder runter von Euren unrealistischen Träumen. Instagram-Fotos sind lediglich eine Mode, ein Trend. Sie sind aber weder besonders attraktiv, noch dienen die Filter ernsthaft dafür, ein Foto zu einem besseren, weil im Ausdruck stärkeren Foto zu machen. Ganz im Gegenteil. Ich denke so oft, das hätte ein sehr nettes Foto sein können (bedenkt man es ist vergleichsweise mager aufgelöst aus einer Smartphonekamera entsprungen), hätte man es nicht mit so einem besch… übergesehenen Filter hässlicher gestaltet, als es im Original vermutlich ist. Kurz: wer glaubt Ihr denn soll Euch Eure Instagram-Fotos im großen Stil abkaufen? Wo soll denn dafür dieser Markt sein? Der Markt seid lediglich ihr, die ihr glaubt, die Hipster in der Modewelle Instagram zu sein. Was völlig okay ist, den Spaß sollt Ihr haben. Aber bittet haltet Eure Füße auf den Boden der Tatsachen: die wenigsten Medien – ausgenommen einiger expliziter für den Instagram-Markt geschaffener Magazine – würden sich Eurer Fotos wirklich gerne und im großen Stil bedienen. Wenn es einen Markt dafür gibt, dann seid Ihr dieser Markt. Und nur Ihr!
Und wir reden hier von Fotos im übrigen, die Ihr doch selber gerade in einem Online-Medium publiziert habt, dass hierfür kaum echte Kontrollmöglichkeiten in der Fremdverwertung kennt.
So wäre es im Grunde doch noch ganz nett, wenn Euer Foto wenigstens offiziell verkauft wird. Die viele anderen, die Euer Werk mit einem simplen Rechtsklick und einer Umbenennung als eigenes Werk ausgeben oder einer anderen Verwendung zuführen, haben Euch doch bisher auch kaum gestört, nicht wahr?
Ach, Ihr findet es blöd, dass jemand mit Eurem Werk Geld verdient? Derjenige hat dafür, dass Ihr seine Technik nutzt, seine Filter nutzt in den letzten Jahren viel Geld hingelegt. Denn auch Instagram-Filterprogramierer kosten Geld, brauchen Technik. Auch Instagram-Server laufen nicht ohne Strom, überstünden keinen Regenschauer ohne Dach über deren Kopf. Ja, ich habe echt doofe Nachrichten für Euch heutigen Heulsusen: „It's all about money.” Und nein, Instagram kann keine Ausnahme bilden.
Ich diskutiere wirklich gerne über die Rechte am eigenen Werk und halte diese hoch – denn ich verdiene ja gelegentlich auch Geld damit. Aber heulen, weil eine Kostenlosleistung nun erstmals ihr Income-Modell definiert? Ich mag diesen Egoismus nicht von Euch Anwendern. Und ich mag auch nicht diese Naivität von Euch Nutzern.
Und wirklich mit Verlaub: die meisten Instagram-Fotos sind leider wirklich hässlich. Wenn es der Style einer Generation sein soll, nicht fotografieren lernen zu wollen und Schrott mit einem Filter zu vergolden, dann tut es mir leid, muss es aber natürlich respektieren.
Inhaltlich bin ich aber bei jedem Koch, bei jedem Wirt, bei jedem Schöpfer sichtbaren Eigentums, wenn diese befinden, dass sie ihre Schöpfungen nicht hässlicher dargestellt sehen möchten, weil verfremdet, als sie von ihnen kreiert worden sind.

